Franz Kafka. Das urteil -
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starken. Du sitzt bei geschlossenem Fenster, und die Luft wurde dir so gut
tun. Nein, mein Vater! Ich werde den Arzt holen, und seinen Vorschriften
werden wir folgen. Die Zimmer werden wir wechseln, du wirst ins Vorderzimmer
ziehen, ich hierher. Es wird keine Veranderung fur dich sein, alles wird mit
ubertragen werden. Aber das alles hat Zeit, jetzt lege dich noch ein wenig
ins Bett, du brauchst unbedingt Ruhe. Komm, ich werde dir beim Ausziehn
helfen, du wirst sehn, ich kann es. Oder willst du gleich ins Vorderzimmer
gehn, dann legst du dich vorlaufig in mein Bett. Das ware ubrigens sehr
vernunftig."
Georg stand knapp neben seinem Vater, der den Kopf mit dem struppigen
wei?en Haar auf die Brust hatte sinken lassen.
"Georg", sagte der Vater leise, ohne Bewegung.
Georg kniete sofort neben dem Vater nieder, er sah die Pupillen in dem
muden Gesicht des Vaters ubergro? in den Winkeln der Augen auf sich
gerichtet.
"Du hast keinen Freund in Petersburg. Du bist immer ein Spa?macher
gewesen und hast dich auch mir gegenuber nicht zuruckgehalten. Wie solltest
du denn gerade dort einen Freund haben! Das kann ich gar nicht glauben."
"Denk doch einmal nach, Vater", sagte Georg, hob den Vater vom Sessel
und zog ihm, wie er nun doch recht schwach dastand, den Schlafrock aus,
"jetzt wird es bald drei Jahre her sein, da war mein Freund bei uns zu
Besuch. Ich erinnere mich noch, da? du ihn nicht besonders gern hattest.
Wenigstens zweimal habe ich ihn vor dir verleugnet, trotzdem er gerade bei
mir im Zimmer sa?. Ich konnte ja deine Abneigung gegen ihn ganz gut
verstehn, mein Freund hat seine Eigentumlichkeiten. Aber dann hast du dich
doch auch wieder ganz gut mit ihm unterhalten. Ich war damals noch so stolz
