Franz Kafka. Das urteil -
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›Mein Vater ist noch immer ein Riese‹, sagte sich Georg.
"Hier ist es ja unertraglich dunkel", sagte er dann.
"Ja, dunkel ist es schon", antwortete der Vater.
"Das Fenster hast du auch geschlossen?"
"Ich habe es lieber so."
"Es ist ja ganz warm drau?en", sagte Georg, wie im Nachhang zu dem
Fruheren, und setzte sich.
Der Vater raumte das Fruhstucksgeschirr ab und stellte es auf einen
Kasten.
"Ich wollte dir eigentlich nur sagen", fuhr Georg fort, der den
Bewegungen des alten Mannes ganz verloren folgte, "da? ich nun doch nach
Petersburg meine Verlobung angezeigt habe." Er zog den Brief ein wenig aus
der Tasche und lie? ihn wieder zuruckfallen.
"Nach Petersburg?" fragte der Vater.
"Meinem Freunde doch", sagte Georg und suchte des Vaters Augen. - Im
Geschaft ist er doch ganz anders, dachte er, wie er hier breit sitzt und die
Arme uber der Brust kreuzt.
"Ja. Deinem Freunde", sagte der Vater mit Betonung.
"Du wei?t doch, Vater, da? ich ihm meine Verlobung zuerst verschweigen
wollte. Aus Rucksichtnahme, aus keinem anderen Grunde sonst. Du wei?t
selbst, er ist ein schwieriger Mensch. Ich sagte mir, von anderer Seite kann
er von meiner Verlobung wohl erfahren, wenn das auch bei seiner einsamen
Lebensweise kaum wahrscheinlich ist - das kann ich nicht hindern -, aber von
mir selbst soll er es nun einmal nicht erfahren."
"Und jetzt hast du es dir wieder anders uberlegt?" fragte der Vater,
legte die gro?e Zeitung auf den Fensterbord und auf die Zeitung die Brille,
die er mit der Hand bedeckte.
"Ja, jetzt habe ich es mir wieder uberlegt. Wenn er mein guter Freund
ist, sagte ich mir, dann ist meine gluckliche Verlobung auch fur ihn ein
Gluck. Und deshalb habe ich nicht mehr gezogert, es ihm anzuzeigen. Ehe ich
