Franz Kafka. Das urteil -
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von einem Besuche bei uns zuruck, ware aber nicht gerade meine Hochzeit die
richtige Gelegenheit, einmal alle Hindernisse uber den Haufen zu werfen?
Aber wie dies auch sein mag, handle ohne alle Rucksicht und nur nach Deiner
Wohlmeinung."
Mit diesem Brief in der Hand war Georg lange, das Gesicht dem Fenster
zugekehrt, an seinem Schreibtisch gesessen. Einem Bekannten, der ihn im
Vorubergehen von der Gasse aus gegru?t hatte, hatte er kaum mit einem
abwesenden Lacheln geantwortet.
Endlich steckte er den Brief in die Tasche und ging aus seinem Zimmer
quer durch einen kleinen Gang in das Zimmer seines Vaters, in dem er schon
seit Monaten nicht gewesen war. Es bestand auch sonst keine Notigung dazu,
denn er verkehrte mit seinem Vater standig im Geschaft, das Mittagessen
nahmen sie gleichzeitig in einem Speisehaus ein, abends versorgte sich zwar
jeder nach Belieben, doch sa?en sie dann meistens, wenn nicht Georg, wie es
am haufigsten geschah, mit Freunden beisammen war oder jetzt seine Braut
besuchte, noch ein Weilchen, jeder mit seiner Zeitung, im gemeinsamen
Wohnzimmer. Georg staunte daruber, wie dunkel das Zimmer des Vaters selbst
an diesem sonnigen Vormittag war. Einen solchen Schatten warf also die hohe
Mauer, die sich jenseits des schmalen Hofes erhob. Der Vater sa? beim
Fenster in einer Ecke, die mit verschiedenen Andenken an die selige Mutter
ausgeschmuckt war, und las die Zeitung, die er seitlich vor die Augen hielt,
wodurch er irgendeine Augenschwache auszugleichen suchte. Auf dem Tisch
standen die Reste des Fruhstucks, von dem nicht viel verzehrt zu sein
schien.
"Ah, Georg!" sagte der Vater und ging ihm gleich entgegen. Sein
schwerer Schlafrock offnete sich im Gehen, die Enden umflatterten ihn -
