Franz Kafka. Das urteil -
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Die Ziffern waren verschwindend gegenuber dem Umfang, den Georgs Geschaft
jetzt angenommen hatte. Georg aber hatte keine Lust gehabt, dem Freund von
seinen geschaftlichen Erfolgen zu schreiben, und hatte er es jetzt
nachtraglich getan, es hatte wirklich einen merkwurdigen Anschein gehabt.
So beschrankte sich Georg darauf, dem Freund immer nur uber
bedeutungslose Vorfalle zu schreiben, wie sie sich, wenn man an einem
ruhigen Sonntag nachdenkt, in der Erinnerung ungeordnet aufhaufen. Er wollte
nichts anderes, als die Vorstellung ungestort lassen, die sich der Freund
von der Heimatstadt in der langen Zwischenzeit wohl gemacht und mit welcher
er sich abgefunden hatte. So geschah es Georg, da? er dem Freund die
Verlobung eines gleichgultigen Menschen mit einem ebenso gleichgultigen
Madchen dreimal in ziemlich weit auseinanderliegenden Briefen anzeigte, bis
sich dann allerdings der Freund, ganz gegen Georgs Absicht, fur diese
Merkwurdigkeit zu interessieren begann.
Georg schrieb ihm aber solche Dinge viel lieber, als da? er zugestanden
hatte, da? er selbst vor einem Monat mit einem Fraulein Frieda Brandenfeld,
einem Madchen aus wohlhabender Familie, sich verlobt hatte. Oft sprach er
mit seiner Braut uber diesen Freund und das besondere
Korrespondenzverhaltnis, in welchem er zu ihm stand. "Er wird also gar nicht
zu unserer Hochzeit kommen", sagte sie, "und ich habe doch das Recht, alle
deine Freunde kennenzulernen." "Ich will ihn nicht storen", antwortete
Georg, "verstehe mich recht, er wurde wahrscheinlich kommen, wenigstens
glaube ich es, aber er wurde sich gezwungen und geschadigt fuhlen,
vielleicht mich beneiden und sicher unzufrieden und unfahig, diese
