Franz Kafka. Das urteil -
13 >
der Antwort sei du noch mein lebender Sohn -, was blieb mir ubrig, in meinem
Hinterzimmer, verfolgt vom ungetreuen Personal, alt bis in die Knochen? Und
mein Sohn ging im Jubel durch die Welt, schlo? Geschafte ab, die ich
vorbereitet hatte, uberpurzelte sich vor Vergnugen und ging vor seinem Vater
mit dem verschlossenen Gesicht eines Ehrenmannes davon! Glaubst du, ich
hatte dich nicht geliebt, ich, von dem du ausgingst?"
Jetzt wird er sich vorbeugen, dachte Georg, wenn er fiele und
zerschmetterte! Dieses Wort durchzischte seinen Kopf.
Der Vater beugte sich vor, fiel aber nicht. Da Georg sich nicht
naherte, wie er erwartet hatte, erhob er sich wieder.
"Bleib, wo du bist, ich brauche dich nicht! Du denkst, du hast noch die
Kraft, hierherzukommen, und haltst dich blo? zuruck, weil du so willst. Da?
du dich nicht irrst! Ich bin noch immer der viel Starkere. Allein hatte ich
vielleicht zuruckweichen mussen, aber so hat mir die Mutter ihre Kraft
abgegeben, mit deinem Freund habe ich mich herrlich verbunden, deine
Kundschaft habe ich hier in der Tasche!"
›Sogar im Hemd hat er Taschen!‹ sagte sich Georg und glaubte, er konne
ihn mit dieser Bemerkung in der ganzen Welt unmoglich machen. Nur einen
Augenblick dachte er das, denn immerfort verga? er alles.
"Hang dich nur in deine Braut ein und komm mir entgegen! Ich fege sie
dir von der Seite weg, du wei?t nicht, wie!"
Georg machte Grimassen, als glaube er das nicht. Der Vater nickte blo?,
die Wahrheit dessen, was er sagte, beteuernd, in Georgs Ecke hin.
"Wie hast du mich doch heute unterhalten, als du kamst und fragtest, ob
du deinem Freund von der Verlobung schreiben sollst. Er wei? doch alles,
dummer Junge, er wei? doch alles! Ich schrieb ihm doch, weil du vergessen
