Franz Kafka. Das urteil -
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fallenden Gasarmen stand er gerade noch. Warum hatte er so weit wegfahren
mussen!
"Aber schau mich an!" rief der Vater, und Georg lief, fast zerstreut,
zum Bett, um alles zu fassen, stockte aber in der Mitte des Weges.
"Weil sie die Rocke gehoben hat", fing der Vater zu floten an, "weil
sie die Rocke so gehoben hat, die widerliche Gans", und er hob, um das
darzustellen, sein Hemd so hoch, da? man auf seinem Oberschenkel die Narbe
aus seinen Kriegsjahren sah, "weil sie die Rocke so und so und so gehoben
hat, hast du dich an sie herangemacht, und damit du an ihr ohne Storung dich
befriedigen kannst, hast du unserer Mutter Andenken geschandet, den Freund
verraten und deinen Vater ins Bett gesteckt, damit er sich nicht ruhren
kann. Aber kann er sich ruhren oder nicht?" Und er stand vollkommen frei und
warf die Beine. Er strahlte vor Einsicht.
Georg stand in einem Winkel, moglichst weit vom Vater. Vor einer langen
Weile hatte er sich fest entschlossen, alles vollkommen genau zu beobachten,
damit er nicht irgendwie auf Umwegen, von hinten her, von oben herab
uberrascht werden konne. Jetzt erinnerte er sich wieder an den langst
vergessenen Entschlu? und verga? ihn, wie man einen kurzen Faden durch ein
Nadelohr zieht.
"Aber der Freund ist nun doch nicht verraten!" rief der Vater, und sein
hin und her bewegter Zeigefinger bekraftigte es. "Ich war sein Vertreter
hier am Ort."
"Komodiant!" konnte sich Georg zu rufen nicht enthalten, erkannte
sofort den Schaden und bi?, nur zu spat, - die Augen erstarrt - in seine
Zunge, da? er vor Schmerz einknickte.
"Ja, freilich habe ich Komodie gespielt! Komodie! Gutes Wort! Welcher
andere Trost blieb dem alten verwitweten Vater? Sag - und fur den Augenblick
