Franz Kafka. Das urteil -
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"Nicht wahr, du erinnerst dich schon an ihn?" fragte Georg und nickte
ihm aufmunternd zu.
"Bin ich jetzt gut zugedeckt?" fragte der Vater, als konne er nicht
nachschauen, ob die Fu?e genug bedeckt seien.
"Es gefallt dir also schon im Bett", sagte Georg und legte das Deckzeug
besser um ihn.
"Bin ich gut zugedeckt?" fragte der Vater noch einmal und schien auf
die Antwort besonders aufzupassen.
"Sei nur ruhig, du bist gut zugedeckt."
"Nein!" rief der Vater, da? die Antwort an die Frage stie?, warf die
Decke zuruck mit einer Kraft, da? sie einen Augenblick im Fluge sich ganz
entfaltete, und stand aufrecht im Bett. Nur eine Hand hielt er leicht an den
Plafond. "Du wolltest mich zudecken, das wei? ich, mein Fruchtchen, aber
zugedeckt bin ich noch nicht. Und ist es auch die letzte Kraft, genug fur
dich, zuviel fur dich. Wohl kenne ich deinen Freund. Er ware ein Sohn nach
meinem Herzen. Darum hast du ihn auch betrogen die ganzen Jahre lang. Warum
sonst? Glaubst du, ich habe nicht um ihn geweint? Darum doch sperrst du dich
in dein Buro, niemand soll storen, der Chef ist beschaftigt - nur damit du
deine falschen Briefchen nach Ru?land schreiben kannst. Aber den Vater mu?
glucklicherweise niemand lehren, den Sohn zu durchschauen. Wie du jetzt
geglaubt hast, du hattest ihn untergekriegt, so untergekriegt, da? du dich
mit deinem Hintern auf ihn setzen kannst und er ruhrt sich nicht, da hat
sich mein Herr Sohn zum Heiraten entschlossen!"
Georg sah zum Schreckbild seines Vaters auf. Der Petersburger Freund,
den der Vater plotzlich so gut kannte, ergriff ihn wie noch nie. Verloren im
weiten Ru?land sah er ihn. An der Ture des leeren, ausgeraubten Geschaftes
sah er ihn. Zwischen den Trummern der Regale, den zerfetzten Waren, den
